Tom in Sambia

Herzlich Willkommen! Auf dieser Seite erfährst du alles über meinen "Weltwärts"-Freiwilligendienst in Livingstone. Viel Spaß!



Mein neuester Blogartikel

Wozu sind unsere Spendengelder da, was spielt bei der Verwendung eine Rolle und wie habe ich meine Spendengelder bislang eingesetzt

Auf Grund dessen, dass zu Hause wohl des öfteren nachgefragt wird, was ich mit den im Vorfeld meines Freiwilligenjahres gesammelten Spenden hier in Sambia nun anstelle, verfasse ich zu diesem Thema nun einmal einen ausführlichen Artikel. 
Zuerst möchte ich wissen lassen, wie essenziell die Verfügbarkeit von Spendengeldern für uns und einen erfolgreichen Freiwilligendienst hier vor Ort ist. Im Gegensatz zu allen anderen Organisationen im Weltwärts-Programm ist es uns gestattet, die überschüssigen Spenden, welche über den Grundbetrag zur Finanzierung des Freiwilligendienstes selbst hinaus gehen, selbst vor Ort zu verwenden. Bei anderen Organisationen geht dieser Betrag direkt in die Tasche der jeweiligen Organisation. 

In unserem Alltag organisieren wir den Sportunterricht an unseren Einsatzstellen, coachen Fußball-, Handball-, Rugby-, Netballteams, etc. und arbeiten mit Organisationen, die den Sport vor Ort strukturieren und organisieren wollen und genau das wollen auch wir. Wir bringen unsere Sport Teams, gerne aber auch einfach Schulklassen im Sport zusammen, organisieren Turniere und Freundschaftsspiele. Diese sind meistens damit verbundenen, dass es „Life Skill Sessions“ gibt, sprich über Themen wie „girls empowerment“, Verhütung oder HIV und AIDS etc. aufgeklärt wird. Zusätzlich gibt es für alle 70-140 Kinder etwas zu essen. 
Ohne Gelder die in diesem Falle für Transport, Organisation, Essen und Helfende gebraucht werden, wäre das alles überhaupt nicht möglich. Außerdem geben wir uns Mühe in die Infrastruktur der Freiwilligen hier in Livingstone zu investieren, damit diese es im Einstieg leichter haben und schließlich noch effizienter arbeiten können. Wir haben zu Beginn des Jahres in dieser Hinsicht wenig angetroffen und mussten gefühlt bei 0 anfangen. 
Nun möchte ich natürlich so transparent wie möglich darüber berichten, wofür Spenden bislang verwendet wurden und geplant sind verwendet zu werden. 
Es wurden einige Sporttaschen gekauft , um Trikotsätze, Sachspenden und Sportmaterial für die jeweilige Einsatzstelle zu sortieren und Inventurlisten geschrieben, um das alles übersichtlich zu halten, dazu ein USB Stick und Ordner für die WG gekauft, um einige wichtige Dinge an unsere Nachfolger weitergeben zu können. Außerdem wurden für über 250€ Portokosten mehr als 130kg an Sachspenden nach Sambia verschickt, wovon mit Sicherheit noch Freiwillige Jahre nach unserer Generation profitieren, so wie wir es von den bereits noch verhandeln Sachspenden tun. Unsere Schulkinder und Teams (allein meine), wurden bislang in drei Turnieren und fünf Freundschaftsspielen zusammengebracht. 
Nun zu unseren Projektideen, die an den Einsatzstellen umgesetzt wurden bzw. es noch werden. An der Linda- South- Schule wurden auf Grund mangelnden Schattens auf dem Schulhof und am Sportplatz zehn Bäume gepflanzt. Man ließ ein Set Fußball/Handballtore produzieren und zudem ein bereits vorhandenes reparieren und vervollständigen. Es werden Mülltonnen gebaut, da es diese tatsächlich an der Linda nicht gibt und aller Plastikmüll etc auf dem ganzen Schulhof und der Umgebung verteilt liegt. Dieses Wochenende kaufte ich 40 Bücher für Leseanfänger in Lusaka. Meine Projektpartnerin Luise und ich möchten in den kommenden Wochen einen Lesekurs für (voraussichtlich) die Fünftklässler aufbauen. Ein erschreckend hoher Anteil der 7. Klässler fällt jährlich an der Linda durch die Abschlussprüfung, weil die Kinder die Prüfung (auf Englisch) nicht lesen können. 
Über alles weitere was geplant ist möchte ich erfahrungsgemäß erst sprechen, wenn die Dinge auch wirklich Gestalt annehmen. Dennoch hoffe ich, dass man hierbei sehen kann, dass nicht immer große Summen benötigt werden, um eine „positive“ Entwicklung initiieren zu können. Oft sind es nämlich schon kleine Dinge die in Deutschland selbstverständlich sind, aber hier erst einmal „entdeckt“ werden müssen, später aber eine große Wirkung entfalten können. 
Das teuerste „Projekt“ hierbei war wahrscheinlich unser ASC eigenes Leichtathletik Turnier oder die Fußballtore, welche um die 300€ gekostet haben. Insgesamt wurden in etwa 1300€ an Spenden bereits vor Ort verwendet. 
Unsere Bewerbung für das Toilettenprojekt bei der deutschen Botschaft welche unseren November und Dezember sehr prägte, würde bedauerlicher Weise abgelehnt. Grund dafür sei die Spendenknappheit bei der Botschaft in diesem Jahr. Da unser Projekt haarscharf an der Budgetgrenze von 20 000€ lag, konnte es nicht ausgewählt werden. Wir möchten die Arbeit aber nicht umsonst gewesen sein lassen und haben darum die Bewerbungsunterlagen zurückgefordert, damit wir unseren Nachfolgern die Chance geben können, es nochmals zu versuchen und gegebenenfalls dieses tolle Projekt umzusetzen.

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Situation bezüglich Einsatz von Spendengeldern an der Linda

Der folgende Artikel gibt einen interessanten Einblick in unser „außerordentliches“ Arbeitsleben und die Herausforderungen, die es aktuell mit sich bringt. 
Vor mehr als sieben Monaten, zwei Wochen nach unserer Ankunft in Sambia, habe ich unserem Schulleiter nach Absprache mit unserer Projektkoordinatorin 2500 Kwacha (250€) für den National Teachersday geliehen, da dieser es versäumt hatte, das ihm dafür zustehende Geld rechtzeitig vom Bildungsministerium zu beantragen. Das beantragte Geld sollte ihm in der darauf folgenden Woche überwiesen werden. 
Was aus diesem Geld wurde, weiß man bis jetzt nicht. Allerdings habe ich nach 7 Monaten des Hinterherlaufens und mir ständig neue Ausreden, böse gesagt Lügen anhören müssen, es doch geschafft, das privat geliehene Geld zurück zu bekommen. Wahrscheinlich aber nur, weil dazu nach 6 Monaten sogar unsere Projektkoordinatorin und der ASC Göttingen eingeschaltet werden mussten. 
Was hat das nun mit dem Einsatz von Spenden und unserer Arbeit zu tun? 
In den ganzen 7 Monaten haben wir uns in unserer Arbeit trotz dem Bewusstsein, dass man von der Schulleitung nur wenig ehrliche Antworten auf Nachfrage nach dem geliehenen Geld bekommt, nicht beeinflussen lassen. Die Kinder kamen mit uns zu Turnieren, bekamen ihren wöchentlichen Sportunterricht, es wurden Bäume an der Linda South- Schule gepflanzt und neue Fußballtore gibt es auch. Ab Neujahr übernahmen wir sogar die Abrechnung für die gezahlten Schulbeiträge und sahen dabei jeden Tag wie (mehr als genug) Geld auf das Konto der Schule einging, welches der Schule frei zur Verfügung steht, da alle fixen Kosten vom Ministerium getragen werden. Eine freundliche Lehrerin, die Kontakt zur Bank hat, erzählte uns, dass alles Geld, welches auf das Konto der Schule einging, direkt wieder abgebucht wurde . (Kundengeheimnis wird in Sambia wohl nicht so streng gesehen). In wessen Tasche die beantragten und überwiesenen Gelder fließen sei dahingestellt. Fakt ist allerdings, dass man von der Schulleitung selbst kaum eine Investition an der Schule sieht. 
So ergibt sich mir der „innere Konflikt“ den ich habe, wenn man darüber nachdenkt Mülltonnen (die es an der Schule tatsächlich nicht gibt) zu bauen, eine Pinnwand, ggf. Uhren (die es an der Schule tatsächlich nicht gibt) zu finanzieren oder sogar bei der Fertigstellung des Schulgebäudes, das unsere Vorfreiwilligen bauen wollten mitzuhelfen, da es dort seit wir hier sind nur schwer vorangeht und nur einer von potentiell vier Räumen fertig ist. 
Wenn die Schulleitung ihr Bestes zum Wohl der Schule tun würde, ehrliche und transparente Arbeit leisten würde, wie sie es an einer Schule dieser Art gebraucht wird, dann würde ich als Freiwilliger besten Gewissens mithelfen und mein Bestes dafür tun, damit sich die Dinge möglicherweise noch schneller entwickeln. 
Die Wahrheit ist meines Empfindens die, dass wie so oft hier in Afrika (ohne Dinge verallgemeinern zu wollen) Korruption ein großes Problem ist und Geld häufig in die Taschen derer fließt, die es eigentlich fair verteilen oder für die Entwicklung ihrer Institution einsetzen sollten. So sehe ich, dass die Entwicklung der Schule momentan durch die aktuelle Schulleitung gehemmt wird und wenn Entwicklung im materiellen Sinne stattfindet, diese aus der Arbeit von Freiwilligen mehrerer Generationen hervorgeht.

 

Fazit: Beim Einsatz von größeren Spendenbeträgen spielen mehrere Faktoren eine Rolle, welche dazu führen, dass sich einiges komplizierter darstellt als es sich manch einer vorstellt. Zeitnah (bestenfalls Wochenende), möchte ich einen Artikel darüber folgen lassen, wie Spendengelder bis jetzt benutzt wurden, was dabei für uns zu beachten ist und welche essentielle Rolle sie für unsere Art von Freiwilligendienst spielen. 

 

Ich freue mich jeder Zeit sehr über Eure Rückmeldungen zu meinen Artikeln. Gerne dürfen auch Themenwünsche, Fragen zu offenen Themen aber auch Kritik geäußert werden!

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